Neue Ortsdurchfahrt Rotfelden

Ortsdurchfahrt Rotfelden: Ausbau wird allgemein bedauert
Dorfplatz muß radikal geräumt werden — Bürger sind enttäuscht

Artikel zum Ausbau der OrtsdurchfahrtEbhausen-Rotfelden. Ein zwiespältiges Thema oder ein „heißes Eisen": Die Ortsdurchfahrt in Rotfelden. Gestern erreichte uns ein Leserbrief aus dem Ebhauser Ortsteil Rotfelden, in dem es wie folgt heißt: „Was nicht vorgesehen und von den Initiatoren des Backhausfestes nicht beabsichtigt war: Die „Hocketse" ließ kei­ne rechte Festesfreude aufkommen. Das Be­wußtsein, von einem einmalig schönen Dorf platz Abschied nehmen zu müssen, gab dem Fest einen wehmütigen Unterton." Allgemein würde bedauert, besonders auch von auswärtigen Be­suchern, daß dieses idyllische Dorfzentrum mit Kirche, Backhaus, Brunnen, Bäumen und Pfarr­haus dem Verkehr geopfert wird.

Wenn nicht besondere Umstände eintreten, steht der Ausbau der Ortsdurchfahrt unmittel­bar bevor. Er verlangt von der Gemeinde und auch von den Bürgern nicht gerade geringe Op­fer. Die Ortsmitte wird durch die neue Straßen-führung stark verändert. Einige Häuser wer­den ganz .verschwinden, nicht wenige beein-trächtigt. Das Haus Schurr gegenüber dem Pfarrhaus wird abgebrochen. Familie Schurr hat es bereits geräumt und in den Steinwiesen ein neues Heim bezogen. Auch das wohlproportionierte Back- und Schlachthaus aus dem Jahr 1867 gegenüber der Kirche muß weg. Von den Bauern wird der Verlust des Back- und Schlachthauses ungern hingenommen. Als Ersatz wird zur Zeit im alten Schulhaus ein Holzbackofen eingebaut. Ein Schlachthaus soll, wie man hört, der Molkerei angegliedert werden. Diese Baulichkeiten werden der Gemeinde größere Auegaben verursachen. Der Kirchplatz, früher Begräbnisplatz, wird stark beschnitten und auf der Südwestseite mit einer hohen Stützmauer versehen. Der Dorf­brunnen steht der Straßenführung ebenfalls im Weg. Er soll gegen das Kaufhaus Römer ver­setzt werden. Der riesige steinerne Brunnentrog wird diese Reise kaum heil überstehen. Äußerst bedauerlich ist, daß die stattliche Friedenslinde von 1871 dem Straßenbau ebenfalls zum Opfer fällt. Ob der Kastanienbaum bleiben kann, wird sich noch herausstellen.

Der zentral gelegene Dorfplatz muß also ra­dikal ausgeräumt werden. Ortsvorsteher Keck meinte zwar im Mitteilungsblatt (Nr. 27): „Die Ortsmitte darf auf keinen Fall zerschlagen wer­den." Aber ob er das wirklich selbst glaubt? Ohne   besondere   Schwierigkeiten   wäre   es;. möglich,  unsere schöne-Dorfmitte  durch  eine Umgehungsstraße südlich des Dorfes unberührt zu lassen.  Die dadurch für die Gemeinde zur Unterhaltung ungefähr anfallenden 800 Meter Dorfstraße, vom Brunnen bis zum Steinbruch Kössig, dürften kein Grund zur Ablehnung des Vorschlages sein. Es geht hier um die Wohn­lichkeit und Sicherheit von Menschen in einem Dorf. Daß eine Bushaltestelle, dringend erforderlich ist, wird nicht bestritten. Sie muß zentral ge­legen sein; muß aber nicht die Dorf mitte ver­unstalten. Durch den Abbruch des alten Schul-und Rathauses, das wirklich keine Zierde für dag Dorf darstellt, entstünde vor dem Rathaus ein günstig gelegener Busbahnhof und Park­platz abseits des Durchgangsverkehrs. Was soll das Gerede „Unser Dorf soll schöner werden", wenn von maßgeblicher Stelle die Rei­ze des Dorfes nicht einmal erkannt und ge­schätzt werden? Was soll das Gerede vom Mit-spracherecht der Bürger, wenn sie zu einem solch gravierenden Projekt nicht einmal gehört werden? Wohlmeinende Stimmen wurden be­lächelt und als rückständig abgetan. Das Dorf ist Heimat seiner Bewohner. Hier suchen sie Behaglichkeit und Geborgenheit. Die­se Qualitäten darf eine verantwortungsbewußte Gemeindeverwaltung nicht preisgeben. Sie zu schützen und zu wahren .erwartet der Bürger.

Gottlieb Ungericht, Rotfelden